Das Dōjō

DAS DŌJŌ, DIE ETIKETTE & DIE SIEBEN GOLDENEN REGLEN DER SAMURAI

Dōjōkun 道場訓 - Etikette im Akuma Dōjō

Bushidō beginnt immer mit Respekt und endet immer mit Respekt!

Eine Gemeinschaft kann nur dann bestehen und überstehen, wenn ihre Mitglieder sich strikt an gewisse Verhaltensregeln halten. Einige Verhaltensmuster werden uns mit der Geburt mitgegeben. Andere jedoch müssen erst erlernt werden.
Auch Budōka sind diesem Gesetz unterworfen. Sie sind eine Gemeinschaft von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel: die Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit in ihrer Komplexität von Körper, Seele und Geist.
Die hier zusammengetragenen Regeln sollen dem Schüler auf seinem Weg helfen. Sie dienen dazu, den Lern- und Trainingsprozeß effizienter zu gestalten, in gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung.
Sie regeln das Verhalten im Dōjō, innerhalb der Schülergruppe, gegenüber dem Sensei und auch nach außen.

1. Regel - Ruhe
Für uns Budōka ist das Dōjō eine Stätte der inneren Sammlung und Ruhe, ein Ort der Konzentration und der Höflichkeit. Lautes und aufdringliches Verhalten und Gebaren oder gar Lärm sind daher unangebracht.

2. Regel – Respekt
Innerhalb des Dōjōs werden die Trainer immer mit Shihan, Sensei/Meister, Sempai oder Kohai angesprochen. Kein Trainer sollte jemals nur bei seinem Vornamen angesprochen werden. Begegne ihm immer mit Respekt.
Achte Deine Mitschüler und Deine Partner. Übertriebene Rohheit, brutaler Kontakt oder Unbeherrschtheit beim Üben oder Kämpfen zeugen nicht von Können, sondern von Unwissen.
Achte beim Training auf deinen Körper, Deine Möglichkeiten und Einschränkungen und tue diese auch bei anderen. Achte Sensei und Schüler fremder Stile genauso wie Deine eigenen.
Behandle die Einrichtung des Dōjō mit Sorgfalt, sie ist für alle da. Beschädigungen werden
behoben auf Kosten derer, die sie verursacht haben.
Achte fremdes Eigentum. Diebstahl, vor allem unter Kameraden, ist übel und verwerflich.
Diejenigen, die beim Diebstahl ertappt werden, werden des Dōjōs sofort verwiesen.

3. Regel – Etikette
Verbeuge Dich beim Betreten und Verlassen der Kampffläche oder des Dōjōs. Verhalte Dich vor, während und nach dem Unterricht immer ruhig und beherrscht.
Betritt der Trainer die Tatami, so stellt sich die Gruppe sofort ohne Aufforderung im Block auf.
Die höchstgraduierten Schüler befinden sich vom Sensei aus links. DAN-Träger stellen sich links von der Gruppe auf, Schüler mit höheren Funktionen wie Sempai, Instructor, Assistent usw. gegenüber den DAN-Trägern rechts vom Sensei/Meister.
Nach der Aufstellung MATE knien alle hin SEIZA (Fersensitz) 正座 „richtig sitzen“. Der höchstgraduierte Schüler sagt nun MOKUSO 黙想 „ruhiges Denken“ an. Hierbei schließt man die Augen und bereitet sich geistig auf die kommende Übungsstunde vor. MOKUSO YAME beendet diese Phase und bei der Ansage SENSEI-NI-REI 先生に礼 begrüßt sich die Gruppe, in dem sie sich im Knien verbeugt. Hiernach steht der Lehrer als erster auf, dann - auf sein Zeichen - die Schwarzgurte und schließlich die Schülergruppe.
Nach Unterrichtsbeginn wird nicht mehr geredet.
Konzentriere Dich 100 % auf Deine Aufgaben. Überlasse das Verbessern Deiner Mitschüler Deinen Trainern und übe nur die vorgeführten Übungen.
Keiner verlässt ohne Genehmigung die Übungsfläche. Am Ende der Übungsstunde erfolgt das gleiche Zeremoniell wie am Anfang beschrieben.
Die Gruppe löst sich erst nach einem Zeichen des Lehrers auf.

4. Regel – Pünktlichkeit
Erscheine immer pünktlich ca. 15 Minuten vor Beginn der Unterrichtsstunde im Dōjō.
Zu spät kommen zeugt von fehlendem Respekt seinem Sensei und Mitschülern gegenüber und
von mangelndem Interesse. Das Gleiche gilt für sonstige Termine wie Prüfungen, Kämpfe, Tests u.ä.
Sollte höhere Gewalt einen daran hindern, pünktlich zu sein, so wartet man am Rande des
Dôjôs, bis der Sensei dazu auffordert, dieses zu betreten. Nach einer Entschuldigung und einer kurzen Erklärung stellt man sich in der hintersten Reihe auf. Ist man verhindert, zum Unterricht oder einem anderen Termin zu erscheinen, ist eine Abmeldung mit einer kurzen Erklärung das Mindestmaß an Höflichkeit.

5. Regel - Verlasse das Dōjō nicht!
Das Verlassen während des Unterrichtes gilt als unhöflich. Ist es dennoch unumgänglich, so zeige es Deinem Lehrer an und warte auf seine Bestätigung. Melde Dich auch korrekt wieder zurück!

6. Regel - Zurückhaltung!
Unterbreche den Unterricht nicht ständig durch Fragen oder gar kluge Einwände. Viele Fragen werden sich beim Üben der Techniken von selbst beantworten. Auch wird sich nach dem Unterricht sicher die Gelegenheit ergeben, Fragen und Einwände zu klären und zu besprechen.

7. Regel - Denke mit!
Versuche immer, durch Dein Verhalten und Deine Mitarbeit zu einem reibungslosen Übungsverlauf beizutragen. Sei immer aufmerksam, schnell und konzentriert. Du willst lernen! Da sind Wachsamkeit, Beobachtungsgabe und Mitdenken die Grundvoraussetzungen.

8. Regel - Sei aufmerksam und konzentriert!
Ob es um die Aufstellung der Übungsgruppe geht oder die Ausführung einer neuen Partnerübung: Sei so wachsam, dass Dir kein Fehler unterläuft. Jede Technik im Unterricht hat ihren Sinn: Ihre Bedeutung, jede Erläuterung verlangt Deine volle Konzentration. Unaufmerksamkeit und Unachtsamkeit führen auch in einer realen Auseinandersetzung zu großen Nachteilen. Unaufmerksamkeit führt zu Fehlern und Fehler können zu Verletzungen führen. Denke daran, dass Du nicht nur verantwortlich für dich selbst bist, sondern im Training genauso viel Verantwortung für Deinem Partner hast.

9. Regel - Sei ernsthaft!
Betreibe die Budō-Künste mit dem notwendigen Ernst. Was nicht bedeuten soll, dass der Spaß beim Lernen und Üben dabei auf der Strecke bleiben muss.

10. Regel - Sei gründlich!
Strebe immer nach dem höchsten Ziel: der Perfektion! Selbst wenn Du sie nie erreichen wirst. Allein der Weg zählt! Wehre Dich gegen Müdigkeit, Unlust und Unaufmerksamkeit. Vergiss im Unterricht die Zeit. Widme Dich nur der Sache selbst, Deiner Übung und Deinem Partner. Lasse Dich nicht von außen ablenken und lenke nie selbst einen anderen ab! Auch wichtige Dinge haben oft Zeit bis nach dem Unterricht.

11. Regel - Kleidung
Der Gi (Keikogi - Kampfanzug) des Schülers besteht aus einem knöchellangen Zubon (Hose), einer Kimono/Uwagi (Jacke) und dem im Hüftbereich gebundenen Obi (Gürtel). Der Obi bestimmt auch die Graduierung des Schülers.
Das Kyūdōkan-Emblem ist auf dem linken oberen Ärmel anzubringen. Der Name der Schule wird zusammen mit dem Vornamen auf der linken Brustseite, auf Höhe des Herzens getragen. Das Logo der Schule (Akuma Dōjō) wird auf die Rückseite der Jacke gedruckt.
Es wird grundsätzlich barfuss trainiert. Nur in Ausnahmefällen dürfen, mit Genehmigung des Sensei, Boxstiefel, Gymnastikschuhe oder ähnliches getragen werden. Außerhalb der Übungsfläche läuft man nie barfuss, sondern in Mattenschuhen, Badelatschen oder Zori.
Der Gi muss sauber, ordentlich und geruchsfrei gehalten werden. Hierzu sollte er nach dem Training aufgehängt und gelüftet werden. Regelmäßige Wäsche und Bügeln sind notwendig. Bei häufigem Training empfiehlt es sich, eine zweite Garnitur anzuschaffen.
Das Tragen von Schmuck, Gürteln, Schnallen und Gegenständen aus Metall ist nicht erlaubt. Brillen müssen bruchsicher sein. Die Haare sollen trainingsgerecht geschnitten sein, so dass sie beim Üben nicht behindern.
Weibliche Teilnehmer sollten, falls erforderlich, ein Haarband aus elastischem Material tragen, keinen spitzen Haarschmuck oder Haarspangen.

12. Ausrüstung
Beim Training sollten die Teilnehmer unter der Hose einen Tiefschutz tragen (bei Kindern nicht notwendig).
Ein Zahnschutz wird beim Freikampf dringend empfohlen. Eine Zahnprothese ist ein teurer
und schlechter Ersatz für die eigenen Zähne (bei Kindern bis 10 Jahren nicht notwendig).
Knöchelschützer, Knieschoner, Schienbeinschützen oder sonstige Bandagen dürfen beim Unterricht getragen werden, sofern sie nicht hindern. Die Schützer müssen aus weichem Material sein, ohne harte Einlagen. Beim Training am Sandsack, Pratzen usw. sollten zum Schutz der eigenen Knöchel die Hände bandagiert und/oder (Box-) Handschuhe getragen werden.
Jeder Schüler (ab Gelbgurt)hat sein eigenes Trainingsequipment.

13. Regel - Hygiene
Es ist peinlich genau auf Sauberkeit am ganzen Körper zu achten. Vor dem Beginn der Stunde
soll man die Toilette aufsuchen und - falls erforderlich - duschen. Fuß- und Fingernägel müssen kurz geschnitten sein. Haare werden sportgerecht getragen, so dass sie beim Üben nicht hindern.
Essen oder Trinken im Dōjō ist nur mit Genehmigung des Trainers erlaubt.
Nimm die letzte Mahlzeit spätestens zwei Stunden vor dem Unterricht.
Auf Alkohol, Drogen und bestimmte narkotisierende Heilmittel sollte man allgemein verzichten, am Tag vor der Übungsstunde dürfen diese nicht eingenommen werden.

14. Regel - Sei beständig!
Besuche regelmäßig den Unterricht. Dein Lehrer und Deine Partner mögen es gar nicht, wenn Du sie zu unnötigen Wiederholungen zwingst, nur weil Du zu Träge warst, den Unterricht regelmäßig zu besuchen.

15. Regel - Prüfungen
Auch im Akuma Dōjō werden Prüfungen abgelegt. Sie dokumentieren den Leistungsstand des Schülers.
Es gibt 6 Schülergrade und 10. Meistergrade, für Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre sind 10 Schülergrade vorgesehen. Bis zum 5.DAN wird eine praktische und theoretische Prüfung abgelegt. Ab dem 6.DAN werden Meistergrade auf Antrag verliehen werden.
Die Zulassung zur nächsten Prüfung legt der Schüler durch Trainigsfleiß, Motivation und Einsatz selber fest. Diese Kriterien sind entscheidend ob ein Schüler zu Prüfung vorgeschlagen wird.
Nur der verantwortliche Trainer schlägt Schüler für die nächste Prüfung vor.
Mindestabstand von Prüfung zu Prüfung siehe Prüfungsordnung oder frage Deinen Sensei/Meister.
Kampfkünstler anderer Budōarten können sich einstufen lassen.
Prüfungen werden nach den jeweils gültigen Prüfungsregularien abgenommen.

Der Schüler kann seine Prüfung nach Kontrolle folgender Bedingungen ablegen:
1.) Vorschlag zur Prüfung durch verantwortliche Trainer
2.) Genehmigung des Dōjōleiters
3.) schriftlicher Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten bei Schülern unter 18 Jahren
4.) ab Prüfung zum 4.Kyu (8. Kyu) Vorlage eines gültigen Budô-Paß
5.) Bezahlung der Prüfungsgebühr vier Wochen vor der Prüfung !
6.) Bei Nichterscheinen, Nichtantreten oder Abbruch der Prüfung wird die Prüfungsgebühr
NICHT zurück erstattet!

16. Sonstiges
Das benutzte Material wird immer in die dafür vorgesehenen Ablagen zurückgebracht. Die Matte sollte in dem Zustand verlassen werden, in der man sie betreten hat. Das Anlegen eines Trainingsbuches ist sehr zu empfehlen.
Die Einrichtung des Dōjō ist für alle da, deshalb sollten keine Übungsgegenstände entfernt werden.
Missbrauch der erlernten Techniken kann den Ausschluss aus der Schule zur Folge haben.
Es ist nicht erlaubt, das Erlernte an Fremde in oder außerhalb der Schule weiter zu vermitteln.
Das Bilden von Trainingsgemeinschaften innerhalb der Gemeinschaft (zum Laufen, Schwimmen etc.) wird ermutigt. Man sollte jedoch den Sensei hierüber unterrichten. Er wird Euch helfen, solches Training sinnvoll zu gestalten. Übe nur an Geräten, an denen Du eingeführt bist.
Jeder ist für seine persönliche Ausrüstung und seinen Besitz selbst verantwortlich.
Das Akuma Dōjō haftet nicht bei Diebstahl oder Beschädigung!

Erinnere Dich immer und überall daran, dass Du ein Budōka und Mitglied des Akuma Dōjō bist!

DIE SIEBEN GOLDENEN REGLEN DER SAMURAI

Ehre und Gerechtigkeit Gi

Verhalte Dich ehrenhaft bei all Deinen Begegnungen mit anderen Menschen. Glaube an die Gerechtigkeit, nicht an die von anderen, aber an Deine eigene. Für den wahren Samurai gibt es keinerlei Graustufen in Fragen der Ehre und der Gerechtigkeit. Es gibt lediglich richtig oder falsch.

Zuvorkommende Höflichkeit Rei

Die Samurai haben keinen Grund grausam zu sein. Sie müssen ihre Stärke nicht beweisen. Ein Samurai ist höflich, selbst zu seinen Feinden. Ohne diese äußerliche Respekterweisung sind wir nicht mehr als Tiere. Ein Samurai wird nicht nur für seine Kampfkraft respektiert, sondern auch für seinen Umgang mit anderen Menschen. Die wahre Stärke eines Samurai offenbart sich in schwierigen Zeiten.

Heldenhafte Tapferkeit Yu

Erhebe Dich aus der Masse der Leute, die Angst davor haben, Handlungen auszuführen. Sich wie eine Schildkröte in seinem Panzer zu verstecken, heißt, überhaupt nicht zu leben. Ein Samurai muss heldenhafte Tapferkeit besitzen. Dieses Dasein ist äußerst riskant, es ist gefährlich. Es beinhaltet, das Leben voll und ganz, ja wundervoll zu leben. Heldenhafte Tapferkeit ist nicht blind. Sie ist intelligent und stark.

Ehre Meiyo

Ein wahrer Samurai besitzt nur einen Richter über seine Ehre und das ist er selbst. Die Entscheidung, die Du triffst, und wie diese Entscheidungen durchgesetzt werden, spiegeln dein wahres Ich wieder. Du kannst Dich nicht vor Dir selbst verstecken.

Mitgefühl Jin

Durch intensives Training wird der Samurai schnell und stark. Er ist nicht wie andere Männer. Er entwickelt eine Kraft, die für das Wohl aller eingesetzt werden muss. Er besitzt Mitgefühl, er hilft seinen Mitmenschen bei jeder Gelegenheit. Wenn sich keine Gelegenheit ergibt, tut er alles um eine zu finden.

Völlige Aufrichtigkeit Makoto

Wenn ein Samurai gesagt hat, er werde eine Handlung ausführen, kann man sie als erledigt betrachten. Nichts wird ihn davon abhalten das Gesagte zu vollenden, er muss dafür nicht „Sein Wort geben“. Er muss nichts „Versprechen“. Sagen und Ausführen sind dieselbe Handlung.

Pflicht und Loyalität Chu

Für den Samurai bedeutet, wenn er „Etwas“ gemacht oder „Etwas“ gesagt hat, dass er dieses „Etwas“ besitzt, ist er dafür verantwortlich, sowie für alle daraus folgenden Konsequenzen. Ein Samurai ist loyal zu denen, um die er sich sorgt. Er bleibt denen, für die er verantwortlich ist, absolut treu.